Die zweite Gewalttour unseres Urlaubs stand an, heute ging es nach Tunis. Die Abfahrt war ähnlich früh, wie schon zu der Tour in den Süden, wenn auch die Strecke nur wenig mehr als halb so lang war. Trotzdem war diese Tour um einiges abenteuerlicher. Doch der Reihe nach: Zu nachtschlafender Zeit wurden wir wieder vom Hotel abgeholt, diesesmal waren weit weniger ältere Gäste an Bord. Den Reiseleiter erkannten wir sofort wieder, hatte er uns doch schon in die Wüste begleitet.
Nachdem in verschiedenen Hotels Gäste unterschiedlichster Nationalitäten eingesammelt worden waren, kündigte man uns an, dass wir in Sousse auf verschiedene Busse verteilt werden würden, der fröhliche Nationenmix also wieder aufgehoben werden sollte. Das klappte soweit auch Problemlos, wir fanden unseren "deutschen" Bus, in dem außerdem noch eine niederländische Familie untergebracht war. Kaum waren wir losgefahren, staunten wir nicht schlecht: Der Reiseleiter, der für diesen Bus zuständig war, sprach fließend "Holländisch". Deutsch jedoch eher weniger. Die meiste Zeit schwieg er ohnehin. Aber wenigstens bekamen wir die wichtigsten Dinge mit, nämlich den ersten Stopp am Kriegshafen von Karthago.

Ok, zu Zeiten der Kriegsmacht Karthago hat es sicherlich beeindruckender ausgesehen, jetzt ist nur noch eine Art Bucht von dem Hafen übrig geblieben, weswegen wir uns auch nicht allzulange aufhielten. Gleich um die Ecke liegt die Therme Antonin. Ich würde gern etwas mehr darüber erzählen, aber der Reiseleiter sprach holländisch und die Schilder gaben auch nicht viel Aufschlussreiches über die Ruine Preis. Man kann jedoch auch ohne Erklärung erahnen, wie groß das Gebäude zu Zeiten der Römer gewesen sein muss. Nach einer halben Stunde Fotoshooting und Sightseeing fanden wir unseren Bus problemlos wieder und es ging auf nach Sidi Bou Said.

Man kann das Dorf durchaus als das Nobelviertel Tunesiens bezeichnen, denn wer hier wohnt, scheint Geld zu haben. Das Dorf besticht durch seine malerischen Gassen und Häuser, Bilder von hier finden sich in jedem Tunesienprospekt: weisse Häuser mit blauen Fenstern und Türen mit schmiedeeisernen Verzierungen. Wir sollten durch den Ort geführt werden. Das passierte auch, glich aber eher einem Marathon, so wurden wir vom Reiseleiter durch die Straßen und Gassen gescheucht. Keine Zeit für eine Fotopause! Warten auf Mitglieder der Reisegruppe? Pustekuchen! Am Ende des sportlichen Rundgangs wartete der Besuch eines Cafes auf uns, in dem wir einen Pfefferminztee erwerben konnten. Danach stand eine Stunde Freizeit auf dem Programm, der Bus sollte uns dort abholen, wo wir ausgestiegen waren. So weit so gut. Nach einer Stunde stand unsere Reisegruppe verlassen an einer Bushaltestelle. Wir auch. Nur war weder der Reiseleiter noch der Bus zu sehen. Toll. Durch Zufall fanden wir den Bus gut 800 Meter und einige Straßen weiter auf einem Busbahnhof weit hinten versteckt. Die ohnehin schon gereizte Stimmung kochte weiter hoch. Erst recht, nachdem feststand, dass es erstmal noch kein Essen gab. Vorher wollte noch das Nationalmuseum besucht werden. Wir trafen gegen 13 Uhr ein und genossen wieder eine Führung im Sprint durch das Museum. Danach dann eine Stunde Aufenthalt. Das Mueseum bietet eine beeindruckende Sammlung von Mosaiken und Statuen, vorwiegend aus der Römerzeit.

Gegen 14 Uhr sollte es weiter gehen. Wieder erwarten fanden wir den Bus dort, wo man es uns angekündigt hatte. Und nun gab es auch endlich etwas zu essen, die Stimmung besserte sich allmählich wieder. Im Anschluss brachte man uns in die Medina von Tunis. Dabei handelt es sich um die Altstadt. In den kleinen Gassen haben sich viele verschiedene Geschäfte angesiedelt. Neben Gewürzen findet man Kleidung, Backwaren, Lederwaren und jede Menge Touristen-Nepp. Wir durchquerten die Medina einmal, schauten hier und dort und fanden uns recht schnell an der anderen Seite des Geschäftsviertels wieder. Dort steht das Französische Tor, das die Franzosen während ihrer Besatzung der Zeit ihrer Schutzmacht erbauen ließen. Nach einem Cafe wollten wir uns auf den Rückweg machen, denn allmählich wurde die Zeit schon knapp. Also wieder rein in das Getümmel. Wir erwischten eine Gasse, in der es nach einigen Metern weder vor noch zurück ging. Wir waren eingeklemmt zwischen hunderten anderer Touristen und Tunesier, die alle irgendwo hin wollten und keiner wollte nachgeben. In diesem Gewühle wurde nicht nur Corinnas Rucksack geöffnet (außer gebrauchten Tempos und einer Flasche Wasser war aber nix drin). Nein, auch unsere Hosentaschen wurden genauer untersucht. Ich habe noch nie so viele Hände gleichzeitig in meinen Taschen gehabt. Da ich aber sämtliche Wertsachen in einer verschlossenen Tasche über meinem Kopf trug (Anfangs nur, um die Kamera vor dem Druck zu schätzen), bekamen wir alles wieder mit. Nach einigem Umhergeirre fanden wir sogar den Ausweg aus der Medina und erreichten unseren Bus, der zwar nicht dort stand, wo er angekündigt war, aber von unserem Treffpunkt aus gut sichtbar war.

In Sousse wurden wir wieder in einen anderen Bus verladen und zurück zu unseren Hotels gebracht. Und wieder fand der tunesische Abend statt. Statt eines Fakirs trat eine Gruppe auf, die tunesische Volksmusik spielte und dazu beeindruckende Tänze mit Flaschen auf dem Kopf vorführte. Abgerundet wurde das Programm mit einer Bauchtänzerin.